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5. April 2026

Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten

Vor über 400 Teilnehmern beim Freiburger Ostermarsch wandte sich Jürgen Grässlin – laut DER SPIEGEL der „bekannteste Pazifist und Rüstungsgegner des Landes“ und einer der Bundessprecher der DFG-VK – gegen die 61 aktuellen Kriege in der Welt und die Kriegsbeteiligung, Rüstungsexporte und Kriegs-Vorbereitung von Deutschland. In weiteren Reden warnte Dr.Helmut Lohrer von IPPNW, den Ärzten gegen den Atomkrieg, „wir werden Euch nicht helfen können“ im Kriegsfalle. Felicitas Espinoza zeigte auf, wer Interesse am Krieg hat und vom Krieg profitiert, und ein Redner der Internationalen Jugend rief dazu auf, sich der Militarisierung und Wehrpflicht entgegenzustellen. Wir dokumentieren nachfolgend die Rede von Jürgen Grässlin.

Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten

– Unsere Visionen werden stärker sein als alle Destruktionen!

Von Jürgen Grässlin

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

wir haben uns heute zum Ostermarsch am Platz der Alten Synagoge in Freiburg versammelt. Wir treffen uns in einer Zeit, die geprägt ist von dystopale Entwicklungen, die wir massiv kritisieren. Und wir treffen uns, um unsere Visionen hin zu einer besseren Welt in ganz konkreten Einzelschritten aufzuzeigen.

Lass mich zuerst exemplarisch einige fatale Fehlsteuerungen auf der globalen Ebene analysieren, die sich auch auf uns in Deutschland massiv auswirken.

Laut Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI sind die weltweiten Militärausgaben 2024 zum zehnten Mal in Folge gestiegen. Rund 2,7 Billionen US-Dollar wandten alle Staaten zusammen für das Militär auf. Inflationsbereinigt waren das 9,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut SIPRI ist das „der größte Anstieg von einem aufs nächste Jahr seit dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991“.

„Besonders stark“ war der Anstieg in Europa und im Nahen Osten, so SIPRI. Begründet wurde diese unsägliche Entwicklung mit den Kriegen in der Ukraine und im Gazastreifen sowie der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Israels und der Hisbollah im Libanon.

Gemäß SIPRI verbrauchte Deutschland 88,5 Milliarden Dollar für das Militär – 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Im weltweiten Ranking der Staaten mit den höchsten Verteidigungsausgaben katapultierte Deutschland vom siebten Rang (2023) auf Platz 4 (2024) vor, direkt hinter den USA, China und Russland. „Die Bundesrepublik überholte den Sipri-Zahlen zufolge damit Großbritannien, Saudi-Arabien und Indien“, so die schwedischen Friedensforscher. [#1]

All diese Milliardensummen fehlen zur Bekämpfung der wahren Menschheitsprobleme.

è Deshalb lautet unsere Forderung an die Regierungen der führenden Aufrüstungsstaaten: Stoppt diesen Rüstungswahnsinn!

è Gemeinsam mit den Gewerkschaften fordern wir: Setzt all diese Milliardensummen ein zur Bekämpfung des Hungers und von Krankheiten sowie zur Bildung, Gesundheit und Pflege bedürftiger Menschen – und das in aller Welt!

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Zahl der jährlichen Konflikte „deutlich angestiegen“. So wurden 1946 lediglich elf Konflikte verzeichnet, 2024 waren es insgesamt 61 Kriege und Konflikte. Gemäß den Recherchen des Statista Research Department waren für den Gesamtanstieg vor allem zivile Konflikte und Bürgerkriege verantwortlich. [#2]

Zwei Kriege haben unsere Wahrnehmung besonders beeinflusst: Der Krieg in der Ukraine infolge des Angriffs russischer Truppen vom Februar 2022. Sowie der Angriff der palästinensischen Hamas im Oktober 2023 und der daraufhin folgende Vernichtungsfeldzug der Israel Defence Forces in Gaza mit schwersten Menschenrechtsverletzungen und mehr als 71.000 getöteten Palästinenserinnen und Palästinensern – die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Dies belegen Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza und der Vereinten Nationen. [#3] In Gaza findet nach Einschätzung von UNO-Experten ein Völkermord statt.

è Mit Nachdruck fordern wir Deeskalation im Ukraine-Krieg und Verhandlungen!

è Und wir fordern endlich ernsthafte Friedensbemühungen im Nahen Osten und die Beendigung der jahrzehntelangen völkerrechtswidrigen Besatzung von palästinensischem Gebiet – in Gaza und im Westjordanland. [#4]

Fluchtursachen: Rüstungsexporte und Klimakatastrophe

Im März 2026 kritisierten wir seitens des Bündnisses Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! massiv den Negativtrend beim globalen Waffenhandel. Laut SIPRI rückte Deutschland mit einem weltweiten Anteil von 5,7 % noch vor China auf dem vierten Rang der Weltwaffenexporteure auf – hinter den USA, Frankreich und Russland

Deutschland gehört seit Jahren in die Spitzengruppe der weltweiten Exporteure –Tendenz stark steigend. So nahmen im Zeitraum von 2021 bis 2025 die deutschen Waffenlieferungen (im Vergleich zu 2016 bis 2020) um dramatische 15 Prozent zu. Die SIPRI-Zahlen zeigen in erschreckender Weise, in welchem Tempo die Rüstungsspiralen weltweit an Fahrt aufnehmen, aber sie benennen die daraus resultierenden Probleme nur unzureichend. Denn die deutschen Waffen und Rüstungsgüter werden nicht einfach nur verkauft, sie kommen auch in den Konflikten der Welt zum mörderischen Einsatz.

Mit der Proliferation von Waffen gießt die deutsche Rüstungsindustrie Öl ins Feuer der Kriege und Bürgerkriege – wohlgemerkt genehmigt von der jeweiligen Bundesregierung.  Abertausende Menschen wurden und werden zu Opfern dieser skrupellosen Rüstungsexportpolitik.

Dennoch ist offensichtlich: Die deutsche Regierungspolitik will noch mehr und mehr Rüstungsexporte. Sie erleichtert den Transfer von Kriegswaffen und Rüstungsgütern und höhlt dabei die eigenen und die internationalen Restriktionen aus. Die Entscheidung für oder gegen einen Export wird immer öfter unter dem Aspekt strategischer Opportunität oder wirtschaftlicher Profitabilität getroffen.

Zu den Empfängerländern deutsche Rüstungsexporte zählen u.a. Israel, die Ukraine, Katar, die Türkei und – über Großbritannien – Saudi-Arabien.

è Deshalb fordert wir als Aufschrei-Bündnis von der Bundesregierung mit CDU/CSU und SPD: Kehren sie um von der derzeitigen Kriegsunterstützungspolitik durch Rüstungsexporte hin zu einer Kultur des Friedens mit Abrüstung und Friedensverhandlungen. [#5]

è Stoppen Sie die Waffenlieferungen an Israel, die Ukraine, Saudi-Arabien und weitere kriegsführende Länder!

Die Folgen der Rüstungsexportpolitik sind für die Betroffenen existentiell gefährdend. Zurzeit sind mehr als 117 Millionen Menschen auf der Flucht. Laut dem UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, hat der Konflikt im Sudan „inzwischen die größte Vertreibungskrise der Welt ausgelöst“. [#6] Auch im Sudan sind deutsche Waffen bzw. der Bestandteile im Einsatz – u.a. G3-Gewehre, entwickelt von Heckler & Koch.

Die Betroffenen fliehen vor Kriegen und Bürgerkriegen, befeuert durch den Einsatz exportierter Waffen. Und sie fliehen vor den Folgen der schier ungebremst voranschreitenden Klimaerhitzung – die die Industrieländer maßgeblich verantworten. Dabei nimmt die Klimakatastrophe dramatischere Formen an. Auch wir in Europa bekommen die – euphemistisch als „Klimawandel“ bezeichnete Entwicklung – immer deutlicher zu spüren.

Gemäß dem Bericht des EU-Klimadienstes Copernicus hat sich Europa zum Hotspot einer vernichtenden Entwicklung entwickelt. Stürme, Extremniederschlag, Hitzewellen und Waldbrände nehmen rapide zu. [#7]

Tragischerweise wird die Rolle des Militärs in aller Welt bei der Analyse der Umweltbelastung und Umweltzerstörung weitgehend ignoriert. Bei all den Umweltkonferenzen werden dem Militär keinerlei Restriktionen auferlegt.

Mit Nachdruck kritisiert der Friedens- und Umweltaktivist Maik Schluroff von der Konstanzer Friedensinitiative in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift forum future economy: „Das Militär ist ein Emissionstreiber, der in der internationalen Klimaberichterstattung nur unvollständig erfasst wird – obwohl seine Aktivitäten zu den energie- und ressourcenintensivsten der Welt gehören – auch ohne Krieg. [#8]

è Schmach und Schande über alle Rüstungsexporteure und über alle Umweltzerstörer, die die Flucht von mehr als hundert Millionen Menschen verursachen!

Profiteure der Hochrüstungspolitik

Die Profiteure der aberwitzigen Rüstungs- und Rüstungsexportpolitik sitzen bei Airbus, Diehl Defence, Heckler & Koch, Hensoldt, der MBDA, Rheinmetall und Thyssenkrupp Marine Systems u.v.a.m. In der Rüstungsindustrie knallen mit jedem neuen Krieg die Champagnerkorken. Beispielsweise hat sich der Wert der Rheinmetall-Aktien seit Beginn des Krieges in der Ukraine mehr als verzwanzigfacht.

Auch der Blick in die Zukunft ist düster. Denn die Vorbereitung für den Krieg im All nimmt inzwischen ihren Lauf. „Deutschland investiert Milliarden, um sich für militärische Konflikte im Weltraum zu wappnen“, schreibt DER SPIEGEL in seiner topaktuellen Ausgabe. So wollen Airbus, OHB und Rheinmetall den historisch gesehen größten aller Aufträge für Raumfahrtprojekte erringen. Dabei geht es um den Bau von 100 Kommunikationssatelliten für die Bundeswehr. In Immenstaad am Bodensee baut schon heute Satelliten des europäischen Galileo-Navigationssystems. [#9]

Auch im Regierungspräsidium Freiburg haben weltbekannte Waffenschmieden ihren Sitz bzw. Werke: die Heckler & Koch AG in Oberndorf, die Rheinmetall Waffe Munition GmbH in Neuenburg sowie Northrop-Grumman LITEF in der Stadt Freiburg.

Mehr noch: Das Ernst-Mach-Institut (EMI) für Kurzzeitdynamik erforscht nahe dem Freiburger Hauptbahnhof Prozesse, die mit sehr hoher Geschwindigkeit ablaufen, z.B. Einschläge von Projektilen, Explosionen oder Kollisionen im Weltall. In den letzten Jahrzehnten hat das EMI, das zur Fraunhofer-Gesellschaft gehört, den Bereich der sog. „Sicherheitsforschung“ weiter ausgebaut.Im März dieses Jahres wurde publik, dass das EMI mit Geld vom Verteidigungsministerium expandiert. Der Freiburger Oberbürgermeister lässt sich wie folgt zitieren: „Der Neubau des KTC durch das Fraunhofer EMI ist eine bedeutende Entwicklung für Freiburg als attraktiver Standort für Forschung und Entwicklung.“ [#10]

è Schmach und Schande über all die Rüstungsproduzenten und -exporteure, die sich an den Kriegen und dem Morden in aller Welt bereichern! Und über alle Militärforscher in Freiburg und anderswo!

Recht des Stärkeren statt Recht und Gesetz dank Völkerrecht?

Noch ein dramatisches Problem bringt die Weltordnung aus den Fugen: Das Völkerrecht wird weltweit von autokratischen Regimen und scheindemokratischen Regierungen rücksichtslos ausgehebelt. Hauptverantwortliche Rechtsbrecher sind die USA unter Donald Trump, Israel unter Benjamin Netanjahu, Russland unter Wladimir Putin, die Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan und China unter Xi Jinping. Sie alle gehen mit ihrer imperialistischen Machtpolitik über Leichen. Die UNO-Charta verbietet allen Ländern die Androhung oder Anwendung von Gewalt und verpflichtet alle Kriegsparteien zu Verhandlungsbemühungen.

è Lasst uns deshalb mit Nachdruck fordern: Völkerrecht muss jederzeit und überall eingehalten werden. Hier darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden! è Rechtsbrecher – wie Putin, Trump und Netanjahu – müssen sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten.

Und wie verhält sich die Bundesregierung? Sie ignoriert die Tatsache, dass die US-Stützpunkte in Deutschland, allen voran in Ramstein, eine zentrale Rolle für die völkerrechtswidrige US-Kriegsführung im Iran spielen. Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Das Grundgesetz schreibt in Artikel 25 fest: „Die allgemeinen Regeln des Völkerrechtes sind Bestandteil des Bundesrechtes. Sie gehen den Gesetzen vor und erzeugen Rechte und Pflichten unmittelbar für die Bewohner des Bundesgebietes.“

è Wir fordern von der Bundesregierung: Keine weitere Militärkooperation mit den völkerrechtsbrechenden Regierungen der USA und Israels!

è Die Große Koalition muss den US-Truppen die Nutzung der Air Base in Ramstein untersagen! Oder sie wird früher oder später selbst auf der Anklagebank sitzen!

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

Andreas Zumach, lange Jahre Journalist bei den Vereinten Nationen in Genf, beklagt zu Recht: „Die internationale Rüstungskontroll- und Abrüstungsarchitektur ist am Zerfallen. Immer mehr wichtige Verträge werden aufgekündigt.“ [#11]

Wir müssen noch weitere Fehlsteuerungen in der Politik anprangern:

  • Die geplante Stationierung von Mittelstreckenwaffen in West und Ost.
  • Die sogenannte „Zeitenwende“ mit dem unvorstellbarem Schuldenpaket von bis zu einer Billion Euro. Mindestens die Hälfe dieses Geldes wird in die Hochrüstung der Bundeswehr und den Ausbau der Rüstungsindustrie gesteckt!
  • Die maßlose Aufrüstung im Rahmen des 5%-Ziels der NATO.
  • Der Einzelplan 14 (Verteidigungshaushalt) wird exponentiell auf 136 Mrd. Euro im Jahr 2028 gesteigert, während am Sozialstaat gespart werden soll.
  • Die Wiedereinführung der Wehrpflicht – erst freiwillig, dann als Zwangsdienst.
  • Deutschland setzt in Zukunft auf KI und Drohnen für kommende Kriege.

Deutschland soll, so Boris Pistorius, „bis 2029 kriegstüchtig sein“. Dabei wird der Bundesverteidigungsminister von der SPD, von CDU/CSU unterstützt. [#12]

Die drohende Wiedereinführung der Wehrpflicht, die immensen Waffenbeschaffungsprogramme, die Aufstellung neuer Mittelstreckenraketen – all das sind Rückfälle in die Zeit des Kalten Krieges.

è Wir fordern: Deutschland darf nicht kriegstauglich gemacht werden! Deutschland muss stattdessen friedensfähig gemacht werden!

Kaum zu glauben: Die Kriegstheorie des 21. Jahrhunderts erinnert an die Grundsätze von Flavius Vegentius Renatus. Dieser römische Kriegstheoretiker des 4. Jahrhunderts n. Chr. vertrat in seinem Traktat De Re Militari die Ansicht: „Wer den Frieden will, bereite den Krieg vor.“

„Si vis pacem para bellum“ gilt bis heute als Maßstab militärischen Handelns. [#13] Wohin derlei Irrwege die Menschheit in den vergangenen Jahrhunderten geführt haben, zeigt sich bis hin zum millionenfachen Massenmorden in den Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Wir in der Friedensbewegung vertreten stattdessen die gegenteilige Erkenntnis:

è Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten!

è Denn Militär ist nicht die Lösung, Militär ist das Problem!

Wir haben die Vision einer besseren Welt!

Ein entscheidendes Kernproblem der Politik – gleichermaßen in West und Ost – ist, dass die Regierenden in den USA, in Russland, in China und auch in Deutschland jegliche Visionen einer friedlichen, gerechten, sozialen und ökologisch intakten Welt verloren haben. Sie handeln nicht im Sinne ihrer eigenen Bevölkerung und auch nicht im Sinne der Menschen in anderen Ländern – sondern maßgeblich macht- und profitorientiert.

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

wir sollten all den Negativentwicklungen, den bewussten Fehlsteuerungen, den milliardenschweren Waffenbeschaffungsprogrammen, den kriegstreiberischen Handlungen von Regierungspolitikern, Militärs, Lobbyisten und Bänkern mutig entgegentreten. Wohlwissend: Wie sind viele!

Wissenschaftliche Rückendeckung erhalten wir durch den niederländischer Historiker Rutger Bregman. Er analysiert: „Diese Idee könnte eine Revolution entfesseln. Die Gesellschaft auf den Kopf stellen. Worin besteht diese Idee? Dass die meisten Menschen im Grunde gut sind.“ [#14]

Lasst uns also unseren Blick auf die mutmachenden Aktionen und Aktivitäten, Initiativen und Kampagnen richten, von denen es so viele gibt. Pars pro toto möchte ich nennen:

Das Konzept „Sicherheit neu denken“, anfangs initiiert von der Evangelischen Landeskirche Baden, wird mittlerweile von einem breiten Bündnis von friedenspolitischen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppierungen und Organisationen getragen. Diese haben unter dem Dach des europäischen friedenskirchlichen Netzwerks Church and Peace das „Positiv-Szenario 2025 – 2040“ entwickelt. Dies zeigt konkret und konstruktiv „Europas Rolle für den Frieden in der Welt“ auf. Hier gilt: Mitmachen, unterstützen, umsetzen! [#15]

Mit der Gründung der Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig“ setzen wir uns für ein Europa ohne Mittelstreckenraketen ein. Wohlwissend, dass diese Angriffswaffen eine äußerst destabilisierende Wirkung haben. Als einer der Erstunterzeichner des Offenen Briefes habe ich bereits Ende März 2025 an unserer ersten Demonstration in Wiesbaden teilgenommen.

Und es geht mit Friedenspower weiter: Am 30. Mai 2026 fordern wir bei den Protestkundgebungen in Wiesbaden und Grafenwöhr: „Keine Mittelstreckenraketen, Nirgends! Keine ‚Dark Eagle‘ und ‚Tomahawk‘ in Grafenwöhr! Befehlskommando in Wiesbaden auflösen!“ [#16]

Unter dem Dach des Bündnisses „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ haben sich rund hundert Organisationen zusammengefunden. Gemeinsam mit der DFG-VK, dem RüstungsInformationsBüro, pax christi, der IPPNW u.v.a.m. prangern wird die völlig enthemmte Rüstungsexportpolitik der Großen Koalition an und zeigen sinnvolle Alternativen auf. [#17]

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan, die in den USA mit dem vielversprechenden Titel Why Civil Resistance Works veröffentlicht worden sind, sind mittlerweile ins Deutsche übersetzt: Warum ziviler Widerstand funktioniert ist im Nomos-Verlag erschienen.

Diese Forschungsergebnisse sind bis heute in der Wissenschaft wie auch in der Sicherheits-, Friedens- und Außenpolitik von enormer Relevanz. Dokumentieren sie doch unwiderlegt: Zivile, also nichtmilitärische Widerstandsformen, waren und sind im Vergleich zum Einsatz militärischer Mittel im 20. und 21. Jahrhundert doppelt so häufig erfolgreich. [#18]

Auch bei uns im Raum Freiburg gibt es so viel positive mutmachende Initiativen. Sie alle zu nennen, sprengt den Rahmen meiner Rede. Vieles davon arbeiten wir beim RüstungsInformationsBüro RIB e.V. mit unserem Projekt „VISION BESSERE WELT“ auf. In meinem aktuellen Mutmachbuch Wie Lichter in der Nacht. Menschen, die die Welt verändern habe ich 24 Protagonistinnen und Protagonisten im erfolgreichen Einsatz für eine bessere Welt eine Stimme gegeben. Die Website zum weitaus umfassenderen Multimediaprojekt von MUTMACHMENSCHEN wird Ende 2026 in Englisch und Deutsch online gehen. Bitte macht in den vorbereitenden Teams mit! [#19]

Die südbadischen Städte Freiburg, Lahr, Emmendingen, Denzlingen, Müllheim und Lörrach sind den „Bürgermeistern für den Frieden“, den „Mayors for Peace“, beigetreten. Alljährlich wird zum sog. Flaggentag am 8.Juli. eine symbolträchtige Aktion durchgeführt. Auch bei weiteren Anlässen soll über das Jahr hinweg auf die akute Bedrohung durch Atomwaffen aufmerksam gemacht werden. So auch an den beiden Gedenktagen von Hiroshima und Nagasaki, in Erinnerung an die Atombombenabwürfe der US-Army am 6. und 9. August 1945.

Das Freiburger Friedensforum, FFF, haben wir 1995 gegründet. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von Friedens-, Menschenrechts-, Dritte-Welt- und Asylgruppen sowie kirchliche Gruppen und Einzelpersonen. Das FFF macht in zahlreichen Veranstaltungen und gewaltfreien Aktivitäten auf den Zusammenhang von Aufrüstung und Sozialabbau und auf die Problematik von Ungerechtigkeit und Gewaltanwendung aufmerksam. Im Herbst wird es wieder die Freiburger Friedenswochen organisieren (siehe www.fffr.de).

In Freiburg haben wir uns zu in einem breiten Bündnis von Aktivistinnen und Aktivisten verschiedener Organisationen zusammengefunden, das zehn zentrale Visionen für eine !FRIEDENSSTADT FREIBURG! verabschiedet hat. Wir setzen uns für eine umfassende Kultur des Friedens ein. Siehe hierzu die neue Website www.friedensstadt-freiburg.de. Eines unserer jüngsten Mitglieder ist Greenpeace.

Herzlich einladen möchten wir euch zur Veranstaltung „Visionen im Dialog“ mit den OB-Kandidaten Martin Horn und Monika Stein am 9. April um 19:00 Uhr im DGB-Haus. [#20]

Am 5. März 2026 sind – bereits zum zweiten Mal – Schülerinnen und Schüler in Freiburg zum Schulstreik gegen die Wehrpflicht auf die Straße gegangen. Selbst die ARD-Tagesschau berichtete aus Freiburg. Bereits beim ersten Mal nahmen beachtliche 1000 junge Menschen teil. Bundesweit waren es in 90 Städten 55.000 Jugendliche. In einem Monat, am 8. Mai, beginnt hier am Platz der Alten Synagoge ab 13:00 Uhr ein „Aktionstag gegen Wehrpflicht & Aufrüstung“. Was für ein mutiges Engagement! [#21]

Und noch ein weiteres fantastisches mutmachendes Friedensprojekt sei genannt: Die beiden Friedensmusiker*innen Ulrike und Thomas Vogt aus Müllheim haben die „Musik für den Frieden – Музыка ради Мира“ gegründet. Sie begeistern international mit ihrem deutsch-russischen Chor. Aktuell bewerben sie ihr „Plädoyer für ein deutsch-russisches Jugendwerk. Ein Weg aus der Angst zum Vertrauen“. Sie appellieren an alle friedliebenden Bürgerinnen und Bürger und an die politischen Mandatsträger in Deutschland und Russland auf ein deutsch-russisches Jugendwerk hinzuarbeiten. „Gehen wir gemeinsam den Weg aus der Angst zum Vertrauen“, so die Friedensmusiker. [#22]

Morgen – am 5. April – startet eine Friedensmarsch von Freiburg nach Berlin. Start ist im Freiburger Stadtgarten. Gemäß dem Motto „Laufen für den Frieden – peace before profit“ beginnt eine 1000 km lange Wanderung quer durch Deutschland. Der Marsch setzt ein klares Zeichen: Frieden vor Profit. Mitmachen kann jeder – ob als Mitläufer*in, Musiker*in, Künstler*in oder Unterstützer*in. Jede Form des Engagements zählt. Kontakt & Infos:

hello@peace-before-profit.com / www.startnext.com/peace-before-profit

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

die Friedensbewegung lebt! In diesen schwierigen Zeiten erhalten wir mehr Zuspruch als in den vergangenen Jahren – was uns sehr freut! Bei der DFG-VK gewinnen wir seit Monaten viele junge Menschen als neue Mitglieder, die den Kriegsdienst verweigern – weiter so!

Lasst uns also unseren Blick nach vorne wenden. Lasst uns mutig in die Zukunft blicken. Lasst uns unsere positiven Visionen definieren und den Weg zu ihrer Verwirklichung beschreiten! Lasst uns ein Deutschland schaffen, in dem tatsächlich alle Menschen gleich sind. In dem Respekt und Toleranz gelebt werden. In dem kein Mensch vor Verfolgung oder Armut bedroht ist! In dem Rechtsextremismus keine Stimme hat. In dem endlich wieder die Demokratie frei atmet.

Lasst uns ein Europa schaffen, das weltoffen ist. Das Geflüchteten und politisch Verfolgten aus anderen Ländern einen sicheren Aufenthalt ermöglicht. Das ihre Kultur und Religion als Bereicherung empfindet. Das Kriegsdienstverweigern und Deserteuren – beispielsweise aus Russland, Weißrussland, der Ukraine und der Türkei – Schutz vor Verfolgung bietet.

Last uns eine Welt schaffen, in der Armut, Analphabetentum und Hunger, Menschenrechtsverletzungen, Kriege und Bürgerkriege mit den Mitteln der Gewaltfreiheit, der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe überwunden werden.

Unser Ziel ist die Zeitenwende der Zeitenwende!

Will die Menschheit in Zeiten existentiell gefährdender Kriege und der dramatisch voranschreitenden Klimakatastrophe überleben, müssen wir Destruktion und Dystopien mit aller Kraft entgegentreten. Indem wir unsere Visionen einer friedlichen und sozialen, gerechten und gesunden und damit besseren Welt Schritt für Schritt verwirklichen. Was wir dafür brauchen sind Optimismus und Mut – statt Aufrüstungswut!

Vielen Dank

Jürgen Grässlin

—

Vita Jürgen Grässlin (Kurzfassung)

ist laut SPIEGEL der „bekannteste Pazifist und Rüstungsgegner des Landes“. Er ist Sprecher der Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“, Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Aktivist der Kritischen Aktionär*innen Heckler & Koch sowie Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros (RIB e.V.) mit den Projekten GLOBAL NET – STOP THE ARMS TRADE (GN-STAT) und VISION BESSERE WELT.

Er ist Autor zahlreicher kritischer Sachbücher über Rüstungsexporte sowie Militär- und Wirtschaftspolitik, darunter internationale Bestseller. Zuletzt verfasste er seine Autobiografie Einschüchtern zwecklos. Unermüdlich gegen Krieg und Gewalt – Was ein Einzelner bewegen kann sowie Wie Lichter in der Nacht. Menschen, die die Welt verändern. Ein Mutmachbuch. Beide Bücher wurden im Heyne Verlag publiziert. 2026 finden weitere Lesungen statt.

Grässlin wurde mit bislang zehn Preisen für Frieden, Zivilcourage, Menschenrechte und Medienarbeit ausgezeichnet, u.a. mit dem Aachener Friedenspreis, dem Menschenrechtspreis von Amnesty International und dem Grimme-Medienpreis.

Kategorie: dfg-vk Freiburg

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